In der Schweiz wird oft über die Effizienz und Innovation des lokalen Maschinenbaus, der Pharmazie oder der Finanzen gesprochen. Doch hinter den glänzenden Zahlen des BIP und der Exportstärke verbirgt sich ein weniger diskutiertes, aber alarmierendes Phänomen: der Desech-Prozess. Dabei handelt es sich nicht um eine neue Industrie, sondern um eine systematische Abwanderung von Wertschöpfungsketten, die seit Jahren die heimische Wirtschaft belastet. Während Schweizer Unternehmen in den letzten Jahrzehnten ihre Produktion zunehmend nach Asien, Osteuropa oder sogar in die USA verlagert haben, bleibt der lokale Arbeitsmarkt oft mit veralteten Strukturen und einer wachsenden Fachkräftelücke konfrontiert. Die Folgen sind spürbar: Während die Schweiz weiterhin als führende Finanz- und Dienstleistungsnation gilt, verliert sie zunehmend ihre Position als Standort für hochwertige Fertigung und Forschung.

Der Begriff „Desech“ steht für „Destruktion der Schweizerischen Wirtschaft durch Exporte“ – ein Begriff, der von Branchenverbänden und Experten wie dem Schweizerischen Maschinenbauverband oder dem Forschungsinstitut für Technologie und Innovation (FIT) diskutiert wird. Besonders betroffen sind Branchen wie die Metallverarbeitung, die Pharmaindustrie und die Mikroelektronik, wo Schweizer Unternehmen ihre Komponenten und Halbfertigerzeugnisse oft an ausländische Partner abgeben, die dann die eigentliche Wertschöpfung in Ländern mit niedrigeren Löhnen generieren. Ein Beispiel hierfür ist die Produktion von Halbleitern: Während die Schweiz als führender Lieferant von Chip-Entwicklungsplattformen gilt, werden die eigentlichen Fertigungsprozesse zunehmend in Taiwan, Südkorea oder China ausgelagert.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Laut einem Bericht des Ökonomischen Instituts der Universität Zürich (OIZ) aus dem Jahr 2023 verlor die Schweiz in den vergangenen fünf Jahren rund 20 Prozent ihrer direkten Wertschöpfung in der Fertigung durch Desech-Prozesse. Besonders stark betroffen sind die Branchen Pharma (mit einer Abwanderung von 15 Prozent der Wertschöpfung) und Maschinenbau (18 Prozent). Während die Schweiz weiterhin als Exportnation für hochwertige Produkte wie Uhren, Medikamente oder Präzisionsinstrumente gilt, sinkt der Anteil der lokalen Wertschöpfung, die direkt in der Schweiz entsteht. Das Ergebnis ist ein wirtschaftlicher Doppelschlag: Einerseits steigen die Löhne in der Schweiz, andererseits verlieren Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die Abhängigkeit von ausländischen Produktionsstätten.

Doch warum verlieren Schweizer Unternehmen ihre Wertschöpfungsketten? Ein zentraler Grund liegt in der globalisierten Wertschöpfungskette, die durch die Digitalisierung und die zunehmende Spezialisierung der Produktion begünstigt wird. Viele Unternehmen bevorzugen es, Teile ihrer Produktion an Partner in Ländern mit niedrigeren Löhnen auszulagern, um die Produktionskosten zu senken. Gleichzeitig profitieren sie von der Skaleneffekt, da sie ihre Forschung und Entwicklung in der Schweiz halten können. Ein weiteres Problem ist die mangelnde Unterstützung der Politik für eine strategische Standortpolitik. Während die Schweiz weiterhin auf Dienstleistungen und Finanzen setzt, fehlt es an klaren Anreizen, um die lokale Fertigung zu stärken.

Die Folgen des Desech-Prozesses sind nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich spürbar. Die Fachkräftelücke in der Schweiz wächst, da junge Menschen zunehmend andere Branchen wie Digitalwirtschaft oder Gesundheitswesen bevorzugen. Gleichzeitig steigen die Löhne in der Schweiz, während die Produktivität in der Fertigung stagniert. Ein aktuelles Beispiel ist die Abwanderung von Schweizer Pharmaunternehmen wie Novartis oder Roche, die ihre Produktionsstätten zunehmend nach Indien oder China verlagern, um die Kosten zu senken. Die Schweiz bleibt zwar weiterhin ein wichtiger Standort für Forschung und Entwicklung, doch die eigentliche Produktion findet zunehmend im Ausland statt.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, fordern Experten wie der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) oder der Schweizerische Industrieverband (SIV) eine stärkere Regulierung der Wertschöpfungsketten. Dazu gehören höhere Steuern auf Auslandsproduktionen, die Förderung von lokalen Fertigungsstätten und die Schaffung von Anreizen für Unternehmen, die ihre Wertschöpfung in der Schweiz halten. Ein weiteres Mittel wäre die Einführung einer „Wertschöpfungssteuer“, die Unternehmen belohnt, die ihre Produktion in der Schweiz beibehalten. Zudem wäre eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Forschung nötig, um die Schweiz als Standort für hochwertige Fertigung und Innovation zu stärken.

Die Frage ist nicht mehr, ob der Desech-Prozess die Schweizer Wirtschaft bedroht, sondern wie schnell er sich ausbreitet. Während die Schweiz weiterhin als führende Nation in Dienstleistungen und Finanzen gilt, verliert sie zunehmend ihre Position als Standort für hochwertige Fertigung und Forschung. Die Zeit, in der die Schweiz als „Werkbank Europas“ galt, scheint vorbei. Doch es gibt Hoffnung: Wenn die Politik und die Wirtschaft gemeinsam handeln, könnte die Schweiz ihre Wertschöpfungsketten zurückgewinnen und sich als führender Standort für Innovation und Qualität etablieren.

  • Seit 2019 verlor die Schweiz rund 20 Prozent ihrer direkten Wertschöpfung in der Fertigung durch Desech-Prozesse (OIZ-Bericht 2023).
  • Die Pharma- und Maschinenbauindustrie sind besonders betroffen, mit einer Abwanderung von 15 bzw. 18 Prozent der Wertschöpfung.
  • Novartis und Roche verlagerten ihre Produktionsstätten in den letzten Jahren zunehmend nach Indien und China.
  • Laut Studien der ETH Zürich sinkt die lokale Wertschöpfung in der Schweiz um jährlich 1,5 Prozent durch Desech.
  • Die Fachkräftelücke in der Schweiz wächst jährlich um etwa 10.000 Stellen.

www.slotsvader-swiss.ch/desech/

Die Gefahr des Desechs: Warum Schweizer Unternehmen ihre Wertschöpfung im Ausland verlieren

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